preload
Okt 15


Foto: Franz-Josef “Jo” Groebel, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Medienwissenschaftler Jo Groebel hat eine Solidaritätsaktion der Spieler von Hertha BSC gelobt. “Die Zeiten sind zu ernst, um den Fußball gänzlich aus der Weltpolitik herauszuhalten”, sagte Groebel der “Heilbronner Stimme” (Montagsausgabe). Die Spieler von Hertha BSC hatten sich vor Anpfiff des Heimspiels gegen Schalke 04 als Zeichen gegen Rassismus auf dem Platz niedergekniet.

Damit brachten die Berliner den Protest von US-Sportlern erstmals auch in die Bundesliga. “Zunächst mag die Hertha-Geste etwas befremdlich wirken: anderes Land, andere Sportart, andere Liga, auch im übertragenen Sinne”, sagte Groebel. “Bei näherem Hinsehen aber macht es durchaus Sinn: Die Trump-Politik, soeben wieder die Infragestellung des Iran-Vertrags, ist schon längst nicht mehr nur eine inneramerikanische Angelegenheit, sondern rührt an die Grundfesten der internationalen Diplomatie und des Weltfriedens.” Hier dürfe niemand schweigen. Auch deutsche Sportler müssten ihre Solidarität mit den “massiv denunzierten Athleten” aus den USA zeigen. “Dass es in diesem Fall der Hauptstadtclub aus dem immerhin beliebtesten deutschen Mannschaftssport tut, ist aus mehreren Gründen sinnvoll”, ergänzte Groebel. “In der jüngeren Geschichte wurde Berlin immer wieder von den Vorgängern Trumps, zum Beispiel den Präsidenten Kennedy, `Ich bin ein Berliner`, oder Reagan, `Mr. Gorbatschow, tear down this wall`, unterstützt und ermutigt. Trump verfolgt eine gegenteilige, damit auch potenziell Berlin-feindliche Strategie. Eskalation und US-Isolationismus statt Brückenbau.” Je mehr nicht-amerikanische Clubs ähnlich reagierten, desto weniger befremdlich werde es sein, sagte Groebel.